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Übersetzungen für die Schweiz: Worauf muss man besonders achten?

Übersetzungen für die Schweiz stellen uns vor Herausforderungen, die immer wieder neu und immer wieder anders sind. Denn sie konfrontieren uns nicht nur mit sprachlichen, sondern auch mit kulturellen Themen, die sich dynamisch weiterentwickeln. Wir möchten uns hier besonders mit drei Hauptaspekten beschäftigen, die diese Entwicklung im Laufe der Jahre geprägt haben und mit denen wir uns jedes Mal auseinandersetzen, wenn wir eine neue Übersetzung beginnen, und zwar: Mehrsprachigkeit, gendergerechte Sprache und Anredeform. Sie sind ein schweizerisches Unternehmen oder Ihre Zielgruppe befindet sich in der Schweiz? Dann werden Sie sich beim Lesen dieses Artikels darüber klar werden, warum wir so großen Wert darauf legen, von den ersten Phasen an mit Ihnen zusammenzuarbeiten, damit der Inhalt mit all seinen Nuancen und wie von Ihnen beabsichtigt vermittelt wird!

Das Miteinander von gleich vier Landessprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch) auf einem geografisch begrenzten Raum sowie von etlichen regionalen Dialekten mitten in Europa kann nicht ohne Einfluss auf die Übersetzung bleiben. Sehen wir uns das einmal etwas genauer an!

Gibt es bereits eine offizielle Übersetzung für die Schweiz?

Über diese Frage „stolpern“ wir praktisch bei jedem Wort, wenn wir einen Text für die Schweiz übersetzen. Gesetzesverweise, Institutionen, Firmennamen, Adressen, URLs, geografische Namen, Lebensmitteletiketten, Speisekarten, Beipackzettel etc.: Nichts darf dem Zufall überlassen werden und erst, wenn wir den Kontext kennen, können wir bestimmen, wie frei und kreativ unsere Übersetzung sein darf (wenn Sie mehr über das Thema erfahren möchten, dann lesen Sie hier einige Beispiele). Wir öffnen also ein Fenster nach dem anderen und klicken uns durch unzählige Websites mit dem Domainnamen „.ch“, allen voran die von der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Ist dann endlich offizielle italienische Übersetzung gefunden, kommt man sich vor wie nach einer erfolgreichen Schnitzeljagd. Doch zuweilen wird die erste Freude etwas getrübt. Denn nicht immer entspricht das Resultat auch der Übersetzung, die wir spontan gewählt hätten. Und das nicht nur, weil jeder anders übersetzt und wir in einem anderen Land leben, sondern auch, weil die Sprache sich rasant weiterentwickelt und die Globalisierung immer mehr an Fahrt aufnimmt. Einen Text von vor mehreren Jahren würden wir heute sicher anders formulieren. Ein Beispiel gefällig: das gute alte Natel, von dem wir früher nie gedacht hätten, dass es heute Handy heißt…

Die Grenzen legen wir gemeinsam fest

Und genau wegen dieser rasanten Weiterentwicklung der Sprache finden wir heute mehr denn je Gelegenheit für den Dialog und Austausch. Wenn wir für die Schweiz übersetzen, können wir mehr wagen und Verbesserungen oder Alternativen zu überholten oder veralteten oder einfach weniger allgemeingültigen Lösungen vorschlagen. Selbstverständlich gilt das nicht für alle Sprachgebiete in gleichem Maße. Man denke nur an die Medizintechnik, wo die Vorgaben für die Arzneimittelzulassungen unvermeidlich über Swissmedic und das Bundesamt für Gesundheit laufen. Hier gelten strengere Regelungen für die Terminologie und Phraseologie, und zwar auch in Texten informativen oder populärwissenschaftlichen Charakters, die an Patienten und die breite Öffentlichkeit gerichtet sind.

Das definitive Layout in vier Sprachen setzt ebenfalls Grenzen. Nicht nur in Bezug auf den Platz, sondern auch weil die Sprachen miteinander verknüpft sind. Beispiele dafür sind Beipackzettel, Lebensmitteletiketten und Sicherheitsdatenblätter sowie zahlreiche Veröffentlichungen für die Schweiz mit aneinandergereihten Texten in mehreren Sprachen. Die Wechselbeziehungen treten in diesen Fällen besonders stark und deutlich zutage. Wir beobachten viele semantische Entlehnungen aus dem Französischen, die größtenteils auf die formale Ähnlichkeit zurückzuführen sind. Doch auch Entlehnungen aus dem Deutschen mit dem verstärkten Gebrauch von Passiv- und Nominalkonstruktionen, vorrangig in technischen Dokumentationen.

Gerade wegen des ausgeprägten Einflusses von regionalen Formen auch in der Fachsprache, muss man genau wissen, wer den Text zu welchem Zweck liest. Für die Übersetzung von Dokumenten für den internen Gebrauch, die bspw. für die Techniker Ihres Unternehmens in der Schweiz bestimmt sind, müssen wir zwangsläufig die Fachbegriffe benutzen und den Fachjargon Ihrer Mitarbeiter kennen. Ebenso wenn Sie ein Küchenchef sind und Ihre Speisekarte erläutern möchten. In diesem Fall kommen Sie nicht umhin, uns die Gerichte oder Rezepte genau zu beschreiben und uns anzugeben, ob Sie sie vor Ihren Gästen direkt im Lokal erläutern möchten – wobei die Namen der regionaltypischen Zutaten und Produkte unverändert bleiben – oder eine Kurzbeschreibung vorziehen, die eventuell in Klammern hinzugefügt wird. Gleiches gilt für touristische Texte wie Werbung für Lokale, Weinkellereien oder Hotels, wo dialektale oder regionale Begriffe Bilder und Eindrücke heraufbeschwören und für Lokalkolorit sorgen. Wenn Sie hingegen eine breitere Zielgruppe ansprechen wollen und auch außerhalb der schweizerischen Grenzen auf größte Verständlichkeit aus sind, dann sollte eher auf Elemente der Standard- und Allgemeinsprache zurückgegriffen werden. Besonders heikel ist dieses Thema im Zusammenhang mit Normenverweisen. Man denke nur an das Schweizer Datenschutzgesetz, das sich immer mehr dem DSGVO der Europäischen Union angleicht.

Möchten Sie regionale Unterschiede betonen und zur Geltung bringen oder lieber einen sachlichen, neutralen Sprachstil? Möchten Sie einen eigenständigen Text oder lieber einen Text, der Zeile für Zeile stets auf einen Originaltext zurückzuführen ist?

Diese Frage stellt sich bei der Wahl der Terminologie und des Charakters, den Sie der Übersetzung verleihen wollen. Zwar gibt es keine eindeutige Antwort. Doch wir können Ihnen dabei behilflich sein, alle diese Aspekte im Zusammenhang mit Ihren Erfordernissen abzuwägen. In der Anfangsphase erweisen sich auch die Bereitstellung von übersetzungsrelevanten Bildern oder Referenztexten als nützlich. Wenn ein Zieltext eigenständiger und unabhängiger vom Kontext sein darf, aus dem er hervorgegangen ist, dann ist eine freiere Übersetzung sicherlich akzeptabler, wenn nicht sogar wünschenswert. Andernfalls sollte man stets so nah wie möglich am Ausgangstext bleiben.

Mehrsprachigkeit ist ein sehr komplexes Thema, das nahezu täglich in den Medien auftaucht und häufig auch Gegenstand politischer Debatten ist. Geschichtlich und kulturell bedingt, genießen sprachliche Minderheiten in der Schweiz einen hohen Stellenwert. Daran möchten wir anknüpfen, um auf gendergerechte Sprache und inklusive Sprache einzugehen, die in der Schweiz ein besonders wichtiges Thema sind.

Gendergerechte Sprache in der Schweiz

In den Styleguides und Sprachleitfäden, die wir von unseren schweizerischen Kunden erhalten, fehlt niemals der Bezug auf die ausformulierte Doppelform. Und zwar nicht nur für die Ansprachen in Mitteilungen und in der Korrespondenz, sondern auch innerhalb von längeren allgemeinen Texten wird verlangt, Kollektiva den Vorzug zu geben und beide Formen abwechselnd anzuwenden. Sollte eine ausformulierte Doppelform zu schwerfällig wirken – man denke an ein „An alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ – wird im Allgemeinen für eine geschlechtsneutrale Form optiert (bspw. „An das gesamte Personal“). Dieses Vorgehen ist inzwischen Usus, wenn es sich um Übersetzungen für die Schweiz handelt. In Italien hingegen sind wir es, die eine solche Übersetzungsweise vorschlagen, weil die Sensibilisierungskampagne eine starke Ausstrahlung hatte und wir sie als Linguisten unterstützen möchten!

Du oder Sie???

Ein weiterer – ebenfalls dynamischer – Aspekt ist das Sprachregister und die Anredeform. Die Verwendung der Höflichkeitsform ist bei jedem neuen Auftrag zu überdenken. Die Verwendung des „Sie“ war über lange Zeit die einzig mögliche Wahl. Unlängst tauchen in den Übersetzungstexten für die Schweiz auch anderweitige Formen auf. In der Vergangenheit galt das „Du“ als zu vertraulich, während es heute immer mehr mit Direktheit und Unmittelbarkeit in Verbindung gebracht wird. Vor allem bei Werbeslogans bieten wir häufig diverse Optionen an, wo der Imperativ oder das „Du“ für eine breite Zielgruppe geeigneter sind. Und was soll man zur Social-Media-Welt sagen? Ein gewisses Widerstreben bleibt hingegen weiterhin in der Wirtschafts- und Finanzbranche, wo die Verwendung des „Sie“ immer noch mit einem höflicheren und respektvolleren Umgang in Verbindung gebracht wird. Doch auch hier schlägt der Trend im Zusammenhang mit Apps und Home-Banking um.

Sind Sie neugierig geworden? Haben Sie Fragen? Gern erörtern wir gemeinsam mit Ihnen diese und weitere Aspekte rund um Übersetzungen für die Schweiz.

Kontaktieren Sie uns für Fragen oder Feedbacks!

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